Geschichte

Konstantin Liebich
Berlin, Gründerjahre. Die Stadt wächst zum größten Industriezentrum Europas heran. Wie ein Magnet zieht die junge Reichshauptstadt Zehntausende in ihren Bann. Die völlig verarmte Landbevölkerung sieht Anreiz und Hoffnung zugleich, am beginnenden Reichtum teilzuhaben. Die Menschen strömen herbei, suchen Arbeit, ein neues Heim. Längst sind die Möglichkeiten der Stadt erschöpft. Tausende irren umher. Ohne Arbeit, ohne Brot.
Das ist die Geburtsstunde der Schrippenkirche.
Im Herbst 1882 gründen einige christlich denkende Handwerker mit dem Journalisten Konstantin Liebich (*9.6.1847 †29.12.1928) den Verein „Dienst an Arbeitslosen“. Sie veranstalten für die Obdachlosen Berlins sonntägliche Gottesdienste. Vor dem Gottesdienst wird ein einfaches Frühstück gereicht: Kaffee und zwei Schrippen. So nennt der Volksmund den Verein bald die „Schrippenkirche“. Erst kommen 25, bald Hundert. Im Winter 1902/03 sind es 1055 Bedürftige an einem Tag. Doch Brot und geistliches Wort allein genügen nicht mehr den wachsenden Anforderungen. Die Betroffenen möchten Unterkunft und Arbeit. Im Jahre 1901 kann auf Grund einer großzügigen Spende der Verein ein Haus in der Weddinger Ackerstraße errichten. Ein Jugendheim zur vorübergehenden Unterbringung jugendlicher Obdachloser wird geschaffen. Eine Arbeitsstätte entsteht, in der gesammelter Trödel, genannt „Brocken“, wieder aufgearbeitet und weiterverkauft wird. Jedem, der um Kleidung, Essen oder andere Unterstützung bittet, wird die Möglichkeit gegeben, in den verschiedenen Arbeitsbereichen stunden- oder tageweise zu arbeiten. Ein „Adressenbüro“ wird zur Arbeitsvermittlung gegründet. Der Verein erfüllt seine Aufgaben auch in den 20er und beginnenden 30er Jahren. In der Nazizeit sind seine Dienste nicht mehr gefragt.
Nach 1945 fangen Diakonissen an, das Werk wieder aufzubauen. Im Herbst 1979 wird das neue Haus in der Ackerstraße 136-137 eingeweiht, in dem zunächst 109 Menschen ein Zuhause finden. Nach einigen Umstrukturierungen und einem notwendig gewordenen Umbau des ehemaligen Kinder- und Mädchenheimes zum jetzigen Wohnheim für Menschen mit geistiger Behinderung werden gegenwärtig 48 Menschen im Wohnheim und 55 Menschen im Altenpflegeheim betreut.
Zielsetzung und Arbeitsweise haben sich verändert. Der Auftrag ist geblieben:

Gründer des Vereins